Wenn Fragen zur beruflichen Entwicklung offen sind, wenn es in Beziehungen knirscht oder die Gesundheit zu wünschen übrig lässt, kann Biografieberatung nützlich sein. Auf allen drei Gebieten kommt es im Leben fast jedes Menschen zu Konflikten. Und ein Konflikt steht meist genau an der Stelle des Lebenslaufs, an der das bisher vorhandene Wissen nicht mehr ausreicht.
In den ersten sieben Jahren lernt der Mensch durch Nachahmung, es gibt keine andere Möglichkeit. Später erst stellt sich die Frage, ob man diese Grundausstattung ergänzen oder verändern möchte. Daher kann die „Sprache des Anfangs“, die Art der Familie und die Region, in die man hineingeboren wurde, ebenso wie die Qualität der Zeit mit Frieden, Unruhen oder Krieg schon erste Hinweise zu einem tieferen Verständnis geben.
Dass der Mensch mehr ist, als nur ein Produkt aus Vererbung und Umwelteinflüssen, wusste schon Platon. Er meinte, jeder Mensch komme mit einer „Berufung“ auf die Welt. Ein Gedanke, den ich als sehr hilfreich empfinde. Denn an den Fragen: „Wer bin ich? Was ist vorgezeichnet und wie kann ich Einfluss nehmen?“, kommt letztlich niemand vorbei. Und während man sich bemüht erfolgreich zu sein, erweisen sich in der Rückschau oft gerade Krankheiten, Unfälle und Lebenskrisen als segensreich. Waren sie es doch, die eine Wende bewirkten und damit eine ganz neue Qualität ins Leben gebracht haben.
Eine Woche hat sieben Tage. In der Bibel steht die Geschichte von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren. Schon im 5. Jahrhundert v.Chr. hat Hippokrates den Siebenjahreszyklus als Grundelement des menschlichen Lebenslaufs beschrieben; und inzwischen hat die moderne Medizin bestätigt, dass es sieben Jahre dauert, bis sich die Zellen im menschlichen Körper erneuert haben. Daher finde ich es gut vorstellbar, dass etwa alle sieben Jahre etwas Neues ins Leben des Einzelnen treten kann. Bei der Biografiearbeit rechnet man aus, ob sich dieser Rhythmus im eigenen Leben zeigt oder ein anderer vielleicht ein Fünfer- oder Zwölferrhythmus , denn das Neue kündigt sich oft mit einer Krise an.
Jedes Lebensalter hat seine typischen Merkmale und Herausforderungen. Das wusste man auch schon im alten China: Man habe 20 Jahre um zu lernen, 20 Jahre um zu fechten und 20 Jahre um weise zu werden, sagte man damals. Im Grunde ist jedem klar, dass man mit 18 andere Lebensaufgaben hat als mit 30 oder 50. Solche und andere Fragen mit mir zu besprechen, dazu lade ich Sie ein.
Obwohl der Grieche Solon, nur Männer im Blick hatte und die Lebenserwartung damals geringer als heute war, so zeigt das Zitat doch, dass Biografiearbeit sich auf uraltes Wissen über die Struktur des Lebens stützt. Viel Spaß beim Lesen! Denn Zähne bekommen Mädchen natürlich auch und Frauen entwickeln ebenfalls Stärke und vollbringen Taten.
Wenn im siebenten Jahr der Knabe den ersten Zahnkreis abstößt, ist er noch ganz unreif, der Sprache kaum Herr.
Wenn aber weitere sieben Jahre der Gott ihm vollendet, kommen schon Zeichen hervor, dass ihm die Jugend nun reift.
Barthaar keimt ihm dann im dritten Jahrsiebent, und dunkler färbt sich die blühende Haut, kraftvoll strafft sich sein Leib.
Aber des Mannes Stärke entwickelt sich jetzt in der vierten Siebenerreihe zuhöchst. Taten vollbringt nun der Mann.
Doch im fünften Jahrsiebt trachte der Mann nach Vermählung, dass in die Zukunft hinaus wachse ein blühend Geschlecht.
Drauf im sechsten reift des Mannes Gesinnung und stählt sich, künftig mag er nicht mehr wirken an nichtigem Werk.
Vierzehn Jahre hindurch, im siebten und achten Jahrsiebent, blühen in Fülle und Kraft Rede ihm und der Geist.
Auch im neunten noch manches, doch sinkt von der Höhe kraftvoll männlichen Muts Weisheit und Wort ihm herab.Wenn aber Gott das zehnte Jahrsiebent zur Neige vollendet, ihn ereilt dann der Tod wohl zu schicklicher Zeit.
Solon, Dichter und Gesetzgeber in Athen, 640-560 v.Chr.